NEUE AUTOFAHRER-KRANKHEIT ENTDECKT!

Was ist passiert? Findet Karl Lagerfeld die Farbe Gelb nicht mehr en vogue? Hat Alexander Dobrindt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion sämtliche diesbezüglichen Vorschriften aus der StVO gestrichen, um bei der Wählerschaft Punkte zu sammeln?

Nein, nichts dergleichen ist passiert, vielmehr haben Mitarbeiter zahlreicher Forschungseinrichtungen eine neue Autofahrer-Krankheit entdeckt! „Linker-Zeigefinger-Arthrose“ nennen die Forscher die bis dato unentdeckte Krankheit, welche die Ursache für das schändliche Verhalten vieler Autofahrer ist. Hierbei ist es den betroffenen Kraftfahrzeugführern aufgrund einer schmerzhaften Versteifung des linken Zeigefingers nicht mehr möglich, beim Abbiegen und Fahrstreifenwechsel den Fahrtrichtungsanzeiger (gemeinhin „Blinker“ genannt) zu betätigen. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll schon alleine die Annäherung des Zeigefingers an den Blinkerhebel zu unsagbaren Schmerzen im Zeigefinger führen (aber auch nur dort – der Mittelfinger ist bei Menschen mit diesem Krankheitsbild meist außerordentlich beweglich), was dazu führt, dass er eben nicht mehr betätigt wird.

Aber Spaß beiseite: Wenn ich mir die Verhaltensweise mancher Autofahrer so ansehe, dann kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Da hat man sich für viel Geld ein riesiges Auto mit allen erdenklichen Sicherheitsfeatures bestellt, nutzt aber eine der ältesten und wichtigsten Einrichtungen im Auto für mehr Verkehrssicherheit gar nicht (was bei mir oftmals den Zweifel nährt, ob der Blinker bei einigen Autoherstellern mittlerweile ein aufpreispflichtiges Extra ist, welches nach sorgfältigem Abwägen des Bestellers gegenüber der Sitzheizung den Kürzeren zieht).

Und dabei könnten massig Unfälle auf deutschen Straßen vermieden werden, wenn sich die Menschheit einfach wieder darauf besinnen würde, dass beispielsweise beim Anfahren vom Fahrbahnrand, beim Ausscheren und Überholen, beim Fahrstreifenwechsel und Abbiegen, im Verlauf einer abknickenden Vorfahrtsstraße und beim Verlassen des Kreisverkehrs geblinkt werden muss. Muss, nicht kann.

Vielleicht nutzen wir dieses geniale Feature in unseren Fahrzeugen einfach wieder ein bisschen häufiger, so wie es sich gehört. Der Blinker ist und bleibt einfach eine der ganz wenigen Kommunikationsmöglichkeiten im Straßenverkehr, nebst der Hupe und der Lichthupe – und eine Hupe-Allergie haben die Forscher noch nicht entdeckt, oder? Und warum? Eben. Hupen geht nämlich immer.

SCHATTENPARKER, BORDSTEINSCHWALBEN UND ANDERE FAHRSCHÜLERANDREAS HOEGLAUER ist seit 2008 als Fahrlehrer tätig. Wenn er nicht gerade mit seinen Fahrschülern das Einparken oder Anfahren übt, trifft man den leidenschaftlichen Sportler und Musiker auf europäischen Landstraßen mit seinem Motorrad oder im Kreise seiner Familie, mit der er in einem Vorort von München lebt. Bei Schwarzkopf & Schwarzkopf sind bereits die Bestseller SCHATTEN-PARKER, BORDSTEIN-RAMMER UND ANDERE FAHRSCHÜLER sowie sein letztes Buch VORSICHT, FAHRSCHÜLER (siehe auch unsere Rezension)  erschienen. Bei Fahrschul-TV schreibt er für unsere Kolumne „Abgefahren“.

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